Jeder Traum vergeht…

Sobald ich morgens aus dem Bett steige, bin ich doch meist immer noch in einer Illusion gefangen. Ich stelle mir vor, in einer normalen Welt mit gesunden, bodenständigen und liebenswerten Mitmenschen zu erwachen. Das Leben ist schön und es ist vor allem das Meinige, für das ich überhaupt erst aufgestanden bin.

Leider wird dieses Bild doch im Laufe des Tages rasch wieder getrübt. Irgendetwas oder irgendjemand schafft es immer wieder, diese Illusion einer schönen, heilen und gerechten Welt zu zerstören. Da das ein alltägliches Ereignis ist, bin ich deswegen nicht mal mehr frustriert oder aufgebracht. Man kennt es mittlerweile zur Genüge. Vielmehr ist es eine unschöne Erinnerung an all das, was uns genommen wurde, wir nie besaßen oder liebend gern einmal sehen und erleben wollen würden. Es zeigt, wie viel Arbeit noch vor uns liegt, aber doch motiviert es mich aufs Neue.

Dass meine Mitmenschen dabei jedoch mit einer lethargisch naiven Haltung durch ihr Leben gehen, als wäre alles in bester Ordnung, ist nicht nur beschämend, sondern angsteinflößend. Das ist es, was einen Menschen noch verzweifeln lässt: Zu glauben, man wäre der einzig gesunde Mensch in einem Irrenhaus. Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob man damit richtig liegt oder selbst wahnsinnig ist. Wer nicht richtig in die Gesellschaft integriert ist, aus welchen Gründen auch immer – und das nicht ertragen kann – wird an einen Abgrund gedrängt. Er verteidigt sich, wird aggressiv, verändert sich zum Schlechten, verliert den Kontakt zur realen Welt, versucht aus einem Traum zu erwachen und ist am Ende nicht mehr der, der er war.

Bei mir beginnt es morgens beim Bäcker. Mein Brot darf ich zwar noch aussuchen, mein Geld jedoch nicht. Niemand hat diese Freiheit noch. Ich wurde nie gefragt, ob ich für die Einführung des Euro bin oder ob ich damit überhaupt zahlen möchte. Möchte ich nicht. Was soll ich mit Geld, das jeder niedere Bankangestellte und Beamte, der wahrscheinlich nicht mal weiß, was er da anrichtet, aus dem Nichts neu erfinden und schaffen kann?

Für jeden Euro Kredit erbringt keine Bank eine Leistung, aber ich soll dafür arbeiten, um bei meinem Bäcker Brötchen zu kaufen? Ich soll für deren leistungsloses Geld auch noch mehr arbeiten, um Zinsen für Geldmengen aufzubringen, die gar nicht existieren dürften? Wenn ich das nicht kann, soll ich als „Ausgleich“ noch meinen realen Besitz verpfänden, um irreale Verluste zu kompensieren. Ich denk ja gar nicht dran, freiwillig da als Opfer mitzumachen. Das scheint nur sonst niemanden zu interessieren. Wer macht sich schon Gedanken um das, was er täglich nutzt. Könnte ja wichtig sein.

Weiter geht es doch mit den Nachrichten. Sei es Internet oder Tageszeitung. Irgendwas ist immer dabei, wo ich mich fragen muss, in was für einer Welt ich eigentlich lebe. Es fängt schon mit ganz „banalen“ Sachen an: Berliner Flughafen braucht noch ein paar Millionen mehr und unsere Enkelkinder können die Eröffnung vielleicht noch erleben. Das finden alle super lustig. Auch wenn jemandem mal zur Abwechslung klar ist, dass der Scherz auf seine Rechnung geht – egal.

Man muss ja nicht gleich Fackeln und Mistgabeln nehmen, korrupte Politiker eigenmächtig aus dem Amt werfen und sie zur Verantwortung ziehen. Dazu müsste man ja mal aktiv werden und den Rasen betreten. Nur als Uli Hoeneß mal Steuern hinterzogen hat, waren all diese Gestalten sofort zur Stelle und schrien Zeter und Mordio. Der hat das schließlich verdient.

Auf der Straße sieht man momentan noch allerlei dämliche Plakate von Parteien. Spätestens da ist es mit der guten Laune dann endgültig vorbei. Dass diese Dinger auch immer primitiver gestaltet werden, wird wohl mit der Zielgruppe zusammenhängen. Wähler vergeben einem ja selbst alles, wenn es nur medial schön aufbereitet wird. Anders kann ich es mir auch nicht erklären, dass diese Politkasper noch nicht an ihren eigenen Krawatten vom nächsten Laternenpfahl baumeln. Aber nur die Ruhe. Wer sich unnötig aufregt, verringert doch nur seine Lebenserwartung.

Manchmal wünscht sich vielleicht der Eine oder Andere, etwas nie erfahren zu haben. Zu traurig, niederschmetternd oder frustrierend war es für den Einzelnen. Man will es lieber vergessen und dann nie wieder erinnert werden. Es funktioniert nur nie. Auch die libertäre Idee muss nicht immer gut für jeden einzelnen in seinem Leben sein. Ein Gedanke ist wie ein Virus, resistent, hochansteckend und die kleinste Saat eines Gedanken kann wachsen. Er kann den Menschen aufbauen oder zerstören.

Bildquelle: Sergej23 / pixelio.de


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3 Kommentare

  • […] Jeder Traum vergeht… […]

  • […] Original: http://cafeliberte.de/jeder-traum-vergeht/ […]

  • Antworten Mai 16, 2014

    Friedrich Dominicus

    Kein Wunder, daß wir in der gleichen Partei sind 😉

    Ich habe diese Diskussionen öfter schon gehabt und dabei auch schon folgende Konzessionen gemacht. Ich bekomme eine Bank die
    a) Sichteinlagen als Anderkonten führt
    b) die ein gedecktes Geld anbietet
    c) nicht mit der Zentralbank Geschäfte macht
    und wer das nicht will kann beim bisherigen Bankensystem mit Mindestreserve bleiben.

    Ich muß nicht für die Bank runs aufkommen und auch für etwaige Zahlungen wegen der Schieflage der Banken und Zentralbanken nicht gerade stehen.

    Wenn meine Bank Pleite geht werden mir meine Sichteinlagen ausgehändigt und ich kann zu einer anderen Bank gehen. Es gibt kein Systemrelevanz und mein Eigentum kein Kollateral für Aktionen der Bankster. Bin ich bereit für das verleihen werde ich ganz einfach ein Gläubiger der Bank und damit ist für mich klar. Ich trage das Ausfallrisiko für meinen Kredit.

    Nur so eine Bank gibt es weltweit vielleicht nur einmal (irgendwo um den Äquator)

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