Die sieben Todsünden…

Es sind sieben Charaktereigenschaften für die man laut der katholischen Kirche für alle Zeiten in der Hölle schmort. Nun gut, es gibt eine ganz Menge Interpretationsspielraum – muss es geben – sonst gäbe es kein Leben auch nur einen winzigen Millimeter oberhalb „der Hölle“.

Es gibt Menschen, die erfüllen die ein oder andere „Sünde“ sogar mit größtem Vergnügen, wieder andere versuchen auch nur den kleinsten Anschein dieses Lasters  um jedem Preis zu verbergen. Dann sind da die beliebten Sünden, die man sich gesellschaftlich leisten kann oder ohne die man selbst die ersten Jahre in der Schule nicht unbeschadet überstehen würde. Andere wiederum sind überaus peinlich, wenn man bei ihrer Entdeckung erwischt wird und streitet jede auch nur ansatzweise mögliche Tendenz in deren Richtung vehement ab.

So zum Beispiel Superbia – der Hochmut auch bekannt unter den Begriffen Eitelkeit und Übermut. Dann hätten wir da Avaritia, der Geiz, gern auch begrifflich mit der Habgier in Einklang gebracht. Luxuria ist eine weitere Todsünde – Ausschweifung, Genusssucht und Begehren ist aber etwas, was wohl eher unter die leichteren Verwerfungen fällt.

Bei Ira also dem Zorn oder auch der Wut, manche übersetzen es auch mit Rachsucht scheiden sich dann die Geister. Wem der dauerhafte Aufenthalt in der Hölle gedroht hätte, der jemals zornig oder wütend gewesen ist, oje! Die Räumlichkeiten tief da unten wären heillos überfüllt.

Bei Gula, der Völlerei oder auch Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht fällt die allgemeine Meinung schon deutlich unangenehmer aus. Besonders die Selbstsucht ist in unseren Zeiten gar nicht mehr hip, zumindest darf man das unter gar keinen Umständen zugeben geschweige denn ausleben. Ja, und dann hätten wir Invidia – der Neid, die Eifersucht, die Missgunst. Das geht heutzutage gar nicht mehr. Heute ist nicht mehr der Neid die Todsünde, sondern es ist eine Todsünde, wenn man etwas hat, worauf andere neidisch sein können.

Im Übrigen – neidisch zu sein braucht man auch demnächst nicht mehr – wenn unsere Regierungen noch ein wenig so weiter machen wie bisher, dann haben wir außer ein paar übriggebliebenen Superreiche keinen mehr, auf die wir neidisch sein könnten. Nun gut, der eine Mensch ist schöner als der andere Mensch – das Problem muss man noch lösen und man wird auch nicht umhin kommen, dass der ein oder andere intelligenter ist als der andere – aber daran arbeitet man auch. Bei unserem Bildungssystem ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alle gleich verblödet sind.

Bei der letzten Todsünde Acedia, der Faulheit, der Feigheit, der Ignoranz oder auch der Trägheit des Herzens sind wir bei einer Todsünde angelangt, die definitiv keine mehr ist, sondern inzwischen ein untrügliches Zeichen einer angenehmen Gesellschaft. Ohne die Feigheit und die Ignoranz könnten wir in diesen Zeiten keinen einzigen Tag einigermaßen unbeschadet überstehen ohne den Verstand zu verlieren.

Neben diesen Todsünden, die längst olle Kamellen sind und sich eh keiner dran hält, haben sich glücklicherweise neue hinzugesellt, die sich im Gegensatz zu den bekannten dahingehend unterscheiden, dass sie durch Unterlassen statt durch aktives Tun realisiert werden.

Es sind Todsünden, die definitiv und unverhandelbar auf den direkten Weg in die Hölle führen, es sind solche, die absolut unentschuldbar sind – nicht etwa, weil menschliche Schwächen sie kennzeichnen sondern unfassbare Dummheit und Idiotie. Es sind die Todsünden, derer wir uns  mit offenen Augen und vollem Bewusstsein in stoischer Ruhe und nahezu stillschweigend schuldig machen.

Allem gegenüber sind wir desensibilisiert worden, unser Unrechtsbewusstsein scheint nur noch in Empörung umzuschlagen, wenn es darum geht, den Bankiers in ihrer unerhörten Gierigkeit kräftig eines auf die Nase zu geben.

Den modernen sieben Todsünden wie der seit Jahrzehnten ausgeübten Geldpolitik, den Rekordschulden, dem unfassbaren Vermögensungleichgewicht, der staatlichen Überwachung, dem Raub am Vermögen der Bürger, dem Betrug an rechtschaffenden Menschen und der permanenten Lügen der Regierungen zum Nachteil der sie fütternden Hände scheint niemand auch nur ein Härchen krümmen zu wollen.

Es ist inzwischen anscheinend normal, dass Polen die Pensionsfonds verstaatlicht hat, es ist egal, dass die französische Regierung alles besteuert, was sich bewegt. Es ist egal, dass die Fed die Bilanz im letzten Jahr um 38,5 Prozent ausgeweitet hat, es ist auch völlig egal, dass wir ausspioniert werden. Wir leben in Zeiten, wo ein Paul Krugman für Vorträge Unsummen kassiert, indem er predigt, dass die Fed noch viel mehr Geld drucken muss. Wir scheinen davon überzeugt zu sein, dass es ewig so weitergehen wird, dass keine Naturgesetze mehr gelten, dass wir gegen alles verstoßen dürfen, was jahrhundertelang Recht und Gesetz war und trotzdem ungeschoren davon kommen.

Es sind gemeine sieben Todsünden, die wir als Tugenden nicht nur akzeptieren, sondern sogar für richtig halten… sehr zur Freude derjenigen, die davon ungeheuer profitieren.

Bildquelle:  © Andrey Khritin – Fotolia.com


PDF Download im PDF-Format |


7 Kommentare

  • […] Es gibt also durchaus Parallelen, aber auch andere Absichten. Vor 100 Jahren wollte man Feinde ermorden, heute sind die Feinde die eigenen Bürger. Somit haben wir also eher einen Zustand wie vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, oder aber die Grundlage für eine grauenhafte neue Weltwirtschaftskrise. Diesmal bricht nicht ein Imperium zusammen sondern mehrere, von der Ausdehnung könnte man durchaus den Untergang des römischen Reiches als Beispiel nehmen. Danach ging es wirklich sehr lange, sehr blutig bergab. Wer glaube, so etwas kann in der heutigen Zeit nicht mehr passieren, vergisst, daß es immer noch kaum veränderte Menschen sind, um die es geht. Wir sind nicht gefeit vor den diversen Lastern und Todsünden. Im Gegenteil manche Todsünde wird heute geradezu kultiviert. Siehe auch:https://cafeliberte.de/die-sieben-todsuenden/ […]

  • Antworten April 25, 2014

    Rachsucht Willi

    Die Bibel sagt: „Ich will Ihnen schlechte Gesetze geben“

    Und die Bibel ist eben auch ein politisches Buch.

  • Antworten April 25, 2014

    Rachsucht Willi

    Du sollst keine Zentralbank neben mir haben

  • […] Es gibt also durchaus Parallelen, aber auch andere Absichten. Vor 100 Jahren wollte man Feinde ermorden, heute sind die Feinde die eigenen Bürger. Somit haben wir also eher einen Zustand wie vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, oder aber die Grundlage für eine grauenhafte neue Weltwirtschaftskrise. Diesmal bricht nicht ein Imperium zusammen sondern mehrere, von der Ausdehnung könnte man durchaus den Untergang des römischen Reiches als Beispiel nehmen. Danach ging es wirklich sehr lange, sehr blutig bergab. Wer glaube, so etwas kann in der heutigen Zeit nicht mehr passieren, vergisst, daß es immer noch kaum veränderte Menschen sind, um die es geht. Wir sind nicht gefeit vor den diversen Lastern und Todsünden. Im Gegenteil manche Todsünde wird heute geradezu kultiviert. Siehe auch: https://cafeliberte.de/die-sieben-todsuenden/ […]

  • Antworten Januar 7, 2014

    Peter Bruchmann

    Danke CHRISSIE,
    Sie sprechen mir aus der Seele.
    Diese, den Systemmedien nachplappernde, obrigkeitshörige Volk, das wollen sie, die „Mächtigen“ unseres Landes. Damit kann man prima ein Volk wie die Deutschen regieren. Nur nicht nachdenken, den Einheitsbrei, gut vorbereitet, einfach Mund auf und runter damit. Ein wenig Sättigungsgefühl noch dabei, wer will da nachdenken oder gar revoltieren?

  • Antworten Januar 7, 2014

    Chrissie

    @aristo: das ist eine Kolumne, kein Artikel, logischerweise ist das überspitzt. Aber um das zu verstehen, braucht man eben mehr verstand als sie hier unter Beweis stellen. Immer noch den Staatsgläubigen Schwachsinn nachzuplappern, dass unsere Schulden nicht vereinnahmte Steuern sind, zeichnet ein genaues Bild ihrer Denkweise. Und diese Denkweise ist es, die uns alle in den Abgrund begleiten wird!

  • Antworten Januar 7, 2014

    aristo

    Der Artikel wirft zu Verschiedenes in einen Topf.

    Weniger ist manchmal eben doch mehr, vor allem dann, wenn man sich dem Wenigen intensiver nähert.

    Staatsschulden sind vor allem zuerst mal eines, nicht vereinnahmte Steuern. Und wo Schulden, da auch Vermögen.

Antworten

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.