GDL: Die Gewerkschaft zum Selbstzweck

Schon wieder oder noch immer; man weiß es gar nicht mehr so genau. Der Streik der Gewerkschaft der Lokomotivführer – GDL – ist jedenfalls in vollem Gange. Ob Nah-, Regional-, Fern- oder Güterverkehr: Rien ne vas plus auf deutschen Gleisen.

In diesem Arbeitsverweigerungskampf wird diesmal mit harten Bandagen gekämpft. Die Taktung der Streiks ist beinahe dichter als die des ICE von Mannheim nach Basel. Die GDL – in Person von seiner Eminenz Claus Weselsky – möchte diesmal in einem Anflug von Selbstherrlichkeit nicht nur Lohnerhöhungen von 5 % bei gleichzeitiger Wochenarbeitszeitkürzung um zwei Stunden für ihre eigenen Mitglieder – die Lokomotivführer – erzwingen, sondern auch gleich noch für alle Zugbegleiter und nicht fahrende Disponenten, die eigentlich in der um ein Vielfaches größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft organisiert sind. Darüber, woher dieser große Durst nach Bedeutung und Aufmerksamkeit der GDL und – im Besonderen – des Herrn Weselsky kommt, lässt sich vortrefflich spekulieren. Der Hauptgrund dürfte sein, dass die GDL ihre Mitgliederzahl sowie ihren Einflussbereich vergrößern will, indem sie im Revier anderer Gewerkschaften wildert. Es scheint bei den Streiks gar nicht so sehr um die Tarifverträge der eigenen sowie der opportunistisch umworbenen evtl. zukünftigen Mitglieder zu gehen, als viel mehr um reines Machtkalkül der Gewerkschaftsspitze und den Ausbau der eigenen zahlenden Gewerkschaftsbasis. Ob letztere nun einen Bedarf nach Gewerkschaft verspürt oder nicht. Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Lokführer müsse schließlich wachsen.

Hier stellt sich die Frage: Zu welchem Zweck?

Üblicherweise organisieren sich Arbeitnehmergruppen in gewerkschaftlichen Strukturen, um ggü. ihrem Arbeitgeber beim Durchsetzen ihrer Interessen mehr Schlagkraft entwickeln zu können. Die Handlungen einer Gewerkschaft entspringen dieser Idee nach also dem Wunsch ihrer Mitglieder nach einer gewichtigeren Interessensvertretung. Das Problem entsteht nun dann, wenn die Führung der Gewerkschaft selbst ihr Brot gar nicht mehr im Gewerbe ihrer Mitglieder verdient, sondern hauptberuflich für die Gewerkschaft arbeitet – so wie die Gewerkschaftsfunktionäre. Sie leben vom Konflikt zwischen ihren Mitgliedern und dem diese Mitglieder beschäftigenden Unternehmen. Für diese Funktionäre ist die Gewerkschaft wie ein Unternehmen, das es zu expandieren gilt, unabhängig davon, ob das gerade überhaupt nötig und dem Mitgliederwunsch entsprechend ist oder nicht. Dazu braucht es den Konflikt. Der Kontakt zur Basis und auch das Maß gehen somit verloren, die Handlungen und Aktionen der Gewerkschaft entwickeln sich zum Selbstzweck. Das Vorgehen wird initiiert durch den reinen Selbsterhaltungstrieb der Funktionäre, die ihre Existenz zu rechtfertigen bemüht sind. Gepaart mit einem offensichtlich von Geltungsbedürftigkeit heimgesuchten Gewerkschaftschef führt dies zu dem aktuellen absolut überzogenen GDL-Vorgehen, für das kaum noch jemand Verständnis aufzubringen in der Stimmung ist.

Pikant ist an dieser Stelle: Die Lokführer profitieren finanziell unmittelbar vom Streik selbst. Einerseits zahlt die Bahn ihren Lokführern während des Streiks ihr Grundgehalt weiter, was nicht üblich ist. Zwar werden die Ausfallstunden mit vorhandenen Überstunden verrechnet, jedoch gibt es für die Lokführer zunächst also keinen Verdienstausfall zu beklagen. Andererseits zahlt die GDL den Lokführern aber dennoch Streikgeld aus ihrer Streikkasse (Quelle). Dass nun auch das eigentlich einigermaßen zufriedene Gewerkschaftsmitglied einen finanziellen Anreiz verspürt, sich dem Streik anzuschließen, liegt auf der Hand.

Kauft die GDL hier die Lokführer, um sie bewusst für ihre eigenen Zwecke des Machtsausbaus zu benutzen? Auf diese Weise würde das Modell der Gewerkschaft ad absurdum geführt, denn die Gewerkschaft existierte und handelte hier zum Selbstzweck. Überflüssigerweise auf dem Rücken der Bahn, der Fahrgäste, der Wirtschaft und in letzter Konsequenz sogar ihrer Mitglieder selbst.

Bildquelle: Pixabay.com

PDF Download im PDF-Format |


Schreiben Sie den ersten Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.