Arte und der Kapitalismus

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Es gibt Dokumentationen, die man sich besser nicht anschaut. Sei es, um seine Zeit intelligenter zu nutzen, die Nerven zu schonen oder nicht desinformiert zu werden. Für freiheitlich gesinnte Menschen zählen wohl insbesondere Arte-Dokumentationen zu dieser Sorte.

Der Sender strahlt momentan eine sechsteilige Doku mit dem Namen „Der Kapitalismus“ aus. Das Mitwirken von Thomas Piketty sowie gewisse Formulierungen (Titel der vierten Folge: Und wenn Karl Marx doch Recht gehabt hätte?) waren gute Indikatoren dafür, dass objektive Berichterstattung auch hier wieder nicht das Ziel war und dass man den Fernseher aus den eingangs erwähnten Gründen hätte getrost abgeschaltet lassen können.

Die fünfte Folge (Keynes vs. Hayek, ein Scheingefecht?) weckte dann trotz alledem mein Interesse. Nach etwa 50 minütiger Interventionismuspropaganda wurde man sich jedoch wieder des eisernen Gesetzes von öffentlich-rechtlicher Anti-Markt-Mentalität bewusst.

Nach einer passablen Einführung in Friedrich von Hayeks Leben und Denken wurde das volle Programm antikapitalistischer Ressentiments abgespielt. Diese Stimmungsmache ist jedoch bekannt und hat nicht weiter verwundert. Es passte dementsprechend genau ins Bild, wie ein kommentierender Forscher über seine Studienzeit bei Milton Friedman erzählte und schilderte, wie sich die Studenten damals in Befürworter und Gegner Friedmans einteilten und er natürlich (heroischer Blick) zu den Gegnern gehörte – wie könnte es auch anders sein? Wie sollte man sonst auch Gastkommentator in einer Arte-Dokumentation werden?

Was Arte jedoch  abgesehen von der Nicht-Objektivität – angekreidet werden kann, sind die gestreuten Fehlinformationen.

Hayeks Theorie zur Entstehung von Wirtschaftskrisen wurde nicht vorgestellt. Stattdessen unterstellte ein Kommentator, dass Hayek sich nie mit Krediten theoretisch auseinander gesetzt hätte, was ihm den Zugang zum Verständnis wirtschaftlicher Fehlentwicklungen versperren würde. Tatsächlich basiert seine Konjunkturtheorie darauf, dass Produktivkredite geschaffen und in den Wirtschaftskreislauf gegeben werden. Kredite sind damit in Wahrheit der Ausgangspunkt von Hayeks Überlegungen zu wirtschaftlichen Fehlentwicklungen.

Eine weitere Lüge war die Aussage, Hayeks Theorien wären normativ (auf Werturteilen beruhend) und er würde alles ausblenden, das nicht in seine Wunschvorstellungen passen würde. Das ist für den Ökonomen Hayek natürlich blanker Unsinn, da die Analyse von Wirtschaftsprozessen auch bei ihm positiv (wertfrei) vorgenommen wurde, was ihn die objektiven Vorteile kapitalistischer Wirtschaftsprozesse erkennen ließ. Hayeks späteres normatives Eintreten für den Kapitalismus in politischen Fragen fußte sicherlich auf seinen positiven Erkenntnissen.

Eine andere absurde Unterstellung war, dass Milton Friedmans geldpolitisches Konzept zwar „Monetarismus“ heißt, Geld dabei jedoch gar keine Rolle spielen würde. Wie man ein geldpolitisches Konzept entwerfen kann, ohne sich dabei mit Geld auseinanderzusetzen, bleibt das Geheimnis der Produzenten der Dokumentation. Nach Friedman ist eine (echte) Stabilisierung des Preisniveaus anzustreben, um Wirtschaftskrisen zu verhindern. Die Ursache der Großen Depression von 1929 sah er in einer zu geringen Geldmenge, die er für den Preissturz verantwortlich machte.

Es gab noch einige andere Fehler und aus dem Zusammenhang gerissene Darstellungen, die an Laienhaftigkeit schwer zu überbieten gewesen wären. Alles in allem wurden gesellschaftspolitische Erwägungen der liberalen Ökonomen nicht dargelegt und die fehlerhafte und fragmentierte Darstellung ihrer Krisentheorien ließen sie (gewollt?) wie wirtschaftswissenschaftlich ungebildete Dogmatiker wirken. Vielleicht sollten sich die Produzenten zukünftig bei der Konkurrenz umschauen: Den Kollegen von der BBC ist es mit ihrer dreiteiligen Dokumentationsreihe „Masters of Money“ gelungen ein objektives und sauber recherchiertes Bild von Keynes und Hayek zu liefern.

R.H.

 


Artes Dokureihe „Der Kapitalismus“: http://info.arte.tv/de/der-kapitalismus-doku-reihe

BBC Doku „Masters of Money“ über Keynes: http://www.youtube.com/watch?v=niNYQtU8GkY

BBC Doku „Masters of Money“ über Hayek: http://www.youtube.com/watch?v=HEiCN57XhiI

 

Bildquelle: Pixabay.com

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5 Kommentare

  • Antworten November 1, 2014

    FDominicus

    Als ich den Titel las war schon alles klar. Das wird hier „nur“ bestätigt. Vielleicht nützte es wenn man an Arte schreibt und diese Fehler aufzeigt. Ich bezweifele das zwar aber ansonsten hilft nur eins: Ein liberaler/libertärer Sender, das beim ÖR zu „erreichen“ dürfte dicht an unmöglich sein.

    Eigentlich verstehe ich es zwar so, daß es auch beim ÖR um die Vielfalt gehen sollte, man kann aber leider nur feststellen, es gibt das dort nur in Spurenelementen und wenn auch so gut wie nur in Satire Sendungen.

  • Antworten November 2, 2014

    Karsten Mittnacht

    wer oder was ist arte?

  • Antworten November 2, 2014

    Ludwig Hertenstein

    Gute Idee von FDOMINICUS, diese Kritik an ARTE zu schicken. Ich habe das soeben über das Kontaktformular auf der Internetseite mit dem freundlichen Hinweis auf konstruktive Kenntnisnahme getan.

    Die Doku zeigt deutlich:

    > Entweder hat die Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders keine Ahnung vom Thema, über das sie berichtet

    > oder sie verbreitet gezielt Falschinformationen

    In jedem Fall wird deutlich, wo das Problem liegt. Es liegt nicht im Wissen der Entscheider. Die führenden Köpfe wissen genau, was sie tun. Die Ursache unseren unsoliden Systems liegt daran, dass den Menschen gezielt Informationen vorenthalten werden UND sich die Menschen nicht selbstständig ausreichend über Wirtschaft und das Geldsystem bilden. ARTE trägt seinen Teil dazu bei und man muss ihnen fast danken, dass sie es so offensichtlich zeigen und eingestehen.

  • Antworten November 19, 2014

    Idahoe

    Jede ökotherische Leere beruht auf WERTUNG. Aber klar, nur die anderen sind doof.

    Und ja, Monetarismus basiert auf Miltons Arbeiten.

    Immer diese Simplifizierungen der Ahnungslosen.

    Kennen all die Schlaumeier hier die Arbeiten von Gode und Sunder aus 1993?
    Welche Schlüsse zieht der Ökotheriker daraus?

  • Antworten Dezember 2, 2014

    Lukas

    Wie von anderen Kommentatoren hier schon angemerkt:
    Diese Dokureihe von Arte ist leider, in den Augen eines Liberalen, von Einseitigkeit nicht zu übertreffen.

    Ich hatte große Hoffnung in dieses Werk, wurde leider bitter enttäuscht.
    Es wurden bewusst einige Aussagen wiederholt und in den Vordergrund geschoben, kritische Betrachtungen nur am Rande erwähnt und ad absurdum geführt.

    Wer das Werk noch nicht gesehen hat:
    http://dokupia.org/doku/der-kapitalismus-1-6

    Es wird Zeit für eine objektivere Doku, dafür hat das Thema zuviel Größe & Belang.

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