Wider die Marktwirtschaft IV: Mindestlöhne

Rückblickend hat es sich als richtig herausgestellt, diese Reihe mit Zahlen, anstelle von Buchstaben, fortzusetzen – unser Alphabet kennt schließlich nur 26.
Während irgendwelcher Fußballturniere ist es in der Politik ja schon Usus, alle möglichen Gesetze durch den Bundestag zu bringen, von  denen ein halbwegs kluger Abgeordneter schon im Vorfeld weiß, dass man damit auf wenig Zuspruch beim Volke stößt. Was sind schon höhere Abgaben und kastrierte Bürgerrechte, wenn doch die Lieblingsgladiatoren in der Arena den Sieg erringen konnten?

Nun, zumindest beim Thema Mindestlohn war dies alles irrelevant, denn offenbar befürworten 88% der Deutschen ein solches Unterfangen bereits. Im Gegensatz zu manch anderen Umfragen glaube ich dieser sogar, denn hierzulande setzt sich der gemeine Bürger – wenn er sich überhaupt mal für etwas einsetzt – nahezu immer für einen größeren Staat ein. Hierzulande hat man sich zu rechtfertigen, wenn man eine Senkung der Steuern befürwortet oder niemanden als Schwerverbrecher aburteilt, der selbige nicht mehr vollständig zu entrichten gedenkt. Was man sich doch erdreiste, gegen die staatlich neu geplante Energieversorgung Protest einzulegen oder nicht für die CO₂ Hasswoche zu begeistern ist…

Nein, vor diesem Hintergrund überrascht mich mittlerweile doch nichts mehr bei diesem Volk. Die DDR war quasi erst vorgestern und man sollte meinen, dass noch bekannt ist, wozu staatlich festgelegte Preise führen, aber das scheint auch nur Wunschdenken zu sein. Oder Argentinien, das als Agrarwirtschaft demnächst auf Nahrungsimporte angewiesen sein wird, da eine neunmal machtgierige Politikerin die Preise aus dem Agrarsektor eingefroren hat, um die selbst verschuldete Inflation zu kaschieren. Das wäre in ein paar Monaten dann der nächste Wirtschaftszusammenbruch in dem Land. Vielleicht gewöhnen sie sich ja nach einer Zeit an sowas.

In Deutschland ist jedoch noch alles mehr oder minder gut, sodass da ein jeder meint, dass solche Beschlüsse nicht negativ auf sie selbst zurückfallen könnten. Da feiert man sich doch lieber selbst für sein Gerechtigkeitsempfinden. Nun, bis 2015 passiert auch nicht sehr viel, denn das Gesetz greift erst dann – und dann ist alles schon wieder vergessen. Was dann geschieht, wird man sich jedoch ausrechnen können.
Bis auf ein paar wenige Ausnahmen muss jeder Angestellte diesen Lohn erhalten. Die Inhaber einiger Kleinstbetriebe freuen sich, dass sie als Selbstständige weniger verdienen, als ihre Mitarbeiter, sofern sie diese aus Kostengründen nicht bereits entlassen oder den Betrieb noch
mittelfristig schließen mussten. Das begeistert die Konkurrenz, da so unliebsame Marktteilnehmer entfernt worden sind und man sich selbst nicht mehr behaupten muss. In so einem Fall können natürlich die Preise für Produkte erhöht oder deren Qualität vernachlässigt werden. Einfach weil man es nun kann oder es alternativ nicht anders geht.

Der entlassene Angestellte lernt nun das Schreiben von Bewerbungsunterlagen besonders intensiv. Das muss er auch, denn schließlich muss er – besonders bei geringer Qualifikation – ziemlich lange suchen und schreiben, bis er wieder eine Stelle findet. Hat er Glück, so verdient er
auf dem Papier wirklich mehr als vorher. Leider verliert er durch die kalte Progression und die erzwungenen Preissteigerungen wahrscheinlich mehr, als er an Lohn erhalten hat. Dafür kann er sich glücklich schätzen, noch eine Arbeit zu haben. Wem das Glück nicht hold war, verliert gleichalles.

Macht aber nichts. Der Staat kann sich schließlich auch mehr als freuen, denn durch den Mindestlohn werden die Steuereinnahmen wieder den nächsten Rekord erklimmen. Damit können die neuen Arbeitslosen schon irgendwie über die Runden gebracht werden.
Gut, für den Beitrag jetzt genug davon, sonst nimmt das noch wer ernst, dass alle glücklich und zufrieden sind. Letztlich wird mit dem Mindestlohn den Leuten am meisten geschadet, die man ursprünglich zu unterstützen gedachte. Ob die Politiker im Bundestag sich dessen bewusst sind, darf bezweifelt werden. Für sie dürften ein gefüllter Steuersäckel und die Wiederwahl mit diesen Aktionen interessanter sein, weshalb da auch fast jeder zugestimmt hat. Nur die SED war beleidigt, da ihr Gebot 10€ nicht gehört wurde.

Die Namen der fünf Abweichler: Gitta Connemann, Katharina Landgraf, Thomas Feist, Andreas Lämmel und Jana Schimke sollten jedoch keineswegs deswegen glorifiziert werden. Diese Leute stimmten dann wiederum einem Mindestlohn in der Fleischwirtschaft zu, setzten sich für irgendwelche Militärabenteuer im nahen Osten oder Afrika ein und haben, sofern das möglich war, auch ihre Zustimmung zum ESM Ermächtigungsgesetz gegeben.

Die Ablehnung des Mindestlohns spricht einen Politiker nicht vom Hochverräter zum Helden.

 

Bildquelle: GG-Berlin  / pixelio.de


PDF Download im PDF-Format |


6 Kommentare

  • Antworten August 17, 2014

    acy

    Wer anderen nichtmal genug Geld zur Existenzsicherung gönnt ist ein Schuft. Daran gibt es nichts zu rütteln.
    Ein fairer Lohn fängt bei 15Euronen netto an!

  • Antworten Juli 16, 2014

    Land der Unfreien

    Der einzige Grund, nüchtern zu bleiben, ist die Erkenntnis, dass es im Grunde schon ewig so furchtbar läuft. Es kann einem doch egal sein, ob man als Soldat im Kampf sterben darf, weil er König mit seinen entfernten Verwandten Erbstreitigkeiten austrägt oder weil man gegen den Terror bekämpfen darf. Ob der König im Mittelalter ein Monopol vergibt oder sich die Ökofaschisten über das System bedienen ist dann auch egal. Ob Krieg wegen Nationalismus oder gegen Nationalismus, egal, Hauptsache Krieg.

    Wie sagte schon Bill Hicks: „Es ist weniger, dass ich mit der politischen Entscheidungen von George Bush nicht übereinstimme sondern eher der Glaube, dass in ihm der Satan erschienen ist, der die Welt zerstören will (der Name George Bush darf hier gerne gegen jeden beliebigen getauscht werden).

    Lese ich über die bis in die international hochrangigen, politischen Kreise reichenden Pädophilenringe, über den Einsatz und die Auswirkungen von Uranmunition, die Machenschaften der Geheimdienste oder muss ich nach der Lektüre von Murray Rothbards „America’s Great Depression“ anerkennen, dass sich Jahrzehnte nach der größten Weltwirtschaftskrise (welche die Welle war, die die Nazis an den Erfolg gespült hat) nicht einmal die wirklichen Ursachen für jene in den Fachkreisen, geschweige denn allen anderen Kreisen, herum gesprochen haben, dann will ich im Grunde nur noch weinen. Es ist schon wirklich zum verzweifeln. Ich habe im Grunde aufgehört, die Tagespolitik zu verfolgen und befasse mich ausschließlich mit systemischer Problemlösung. Sollten das also irgendwelche Sozialisten lesen: Macht ruhig weiter so, je fleißiger Ihr arbeitet, umso schneller kommt die systemische Bereinigung. An die Zentralbänker: Bitte druckt, was das Zeug hält, denn schließlich wird der Hass auf Euch mit jedem neuen Geldschein größer.

    Z u m T h e m a :
    Die Liberalen haben die im politischen Spektrum einzigartige Position anhand des Mindestlohnes zu zeigen, dass er keine einzelne Fehlentscheidung ist, sondern sich einreiht in politische Eingriff seitens des Staates, die allesamt verheerende Folgen haben. Während sich die restlichen Politiker in Details verlieren und die grundlegenden Fragen nicht erörtern können Liberale und Libertäre diesen intellektuellen Sumpf mit klaren Stellungnahmen durchschneiden und eine argumentative Alternative bieten.

  • Antworten Juli 15, 2014

    Lisa

    „Bis auf ein paar wenige Ausnahmen muss jeder Angestellte diesen Lohn erhalten. Die Inhaber einiger Kleinstbetriebe freuen sich, dass sie als Selbstständige weniger verdienen, als ihre Mitarbeiter, sofern sie diese aus Kostengründen nicht bereits entlassen oder den Betrieb noch mittelfristig schließen mussten.“

    Ähm… jetzt mal realistisch gesehen, welcher Geschäftsführer eines Kleinstbetriebes verdient 8,50 € brutto und hat noch Mitarbeiter? In diesem Artikel sehe ich leider keine schlüssige Argumentation gegen einen Mindestlohn, wenn ich mich auch gerne eines besseren überzeugen lassen würde.

  • Antworten Juli 14, 2014

    Friedrich Dominicus

    Ich wünschte ich könnte das so entspannt sehen. Leider hat sich aber meist gezeigt das Umbrüche selten friedrich abgehen. Und wie man auch so entspannt bleiben kann bei zu ewartendem Diebstahl, bringe ich nicht fertig.

    Macht Ihnen dieser Satz:
    „Aber das alles ist nichts anders als Sprengstoff für die derzeitigen Zustände“

    klinisch „reine“ Sprengstoff ?

  • Antworten Juli 8, 2014

    Dr_Schnackels

    Ich sehe das ganze mittlerweile eher nüchtern. Mit jedem planwirtschaftlichen Schritt kommen wir näher an den Abgrund und dieser bedeutet nicht das Ende von allem, sondern Veränderungen.
    Noch ist die Haltung in der Gesellschaft stark sozialistisch (ohne es so zu nennen) und man hofft auf besseres Wetter.
    Der Lastenausgleich wird kommen, in welcher Form auch immer. Sparer, Eigenheimbesitzer und Rentner werden die Verlierer sein. Bei den EU-Parlamentswahlen haben die EU-Gegner klar gewonnen, und es werden immer mehr. Auch bei den nationalen Wahlen gewinnen die diese Parteien an Zulauf.

    Aber das alles ist nichts anders als Sprengstoff für die derzeitigen Zustände. Europa schreit förmlich nach Veränderungen und diese kommen nun langsam.

    „Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat.“
    – Berthold Precht

  • Antworten Juli 7, 2014

    Tom

    Ist ja alles gut und schön. Selbstverständlich sollte sich die Politik möglichst wenig oder jedenfalls nur mit Augenmaß in die freie Marktwirtschaft einmischen.

    Eine vernünftige Politik sollte verhindern:

    – dass einige wenige zu reich werden (weil die Superreichen dann die Politik bestimmen, Medien kaufen, Politiker bestechen, Privatarmeen unterhalten usw.)

    – dass andere zu arm werden (weil die sonst stehlen und rauben müssen, um zu überleben = erhöhte Kriminalität.)

    Im Normalfall würden sich die Löhne weitestgehend selbst regeln. Das Angebot regelt die Nachfrage. Z.B. würden bei einer sinkenden Kinderzahl die Löhne steigen, da ja nicht mehr genügend Billigarbeiter zur Verfügung stehen.

    Nun hat die Politik aber seit etwa 40 Jahren dafür gesorgt, dass ein ungebremster Zustrom überwiegend an ungebildeten Migranten die Unterschicht masisiv ausgeweitet. Eines der Gründe war gewiss der Wunsch der Großindustrie nach Lohndrückung. Alteingesessene Deutsche sollen mit möglichst vielen Migranten um Ressourcen (Arbeitsplätze) konkurieren, was zur Folge hat, dass Löhne sinken.

    Wenn also eine immense Zahl bettelarmer – sagen wir mal Rumänen – ins Land strömt, um z.B. für 2 € die Stunde in brütender Sonnenhitze Spargel zu ernten oder sonstige Knochenjobs zu erledigen, dann freuen sich die Großbauern.

    Dass viele der ärmeren Bürger da protestieren, liegt auf der Hand. Man muss sich mal in einen Billiglöhner hineinversetzen, der beinahe schlechter behandelt wird als ein Sklave im alten Rom. Klar, dass viele hoffen, wenigstens ein einigermaßen menschenwürdiges Einkommen zu erhalten. Daher kann ich den Ruf nach Mindestlohn verstehen.

    Das alles ist ein hausgemachtes, absichtlich von der Politik herbeigeführtes Problem.

Antworten

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.