Tausche Arbeit gegen Geld

Vielleicht bin ich nur ein wenig zu einfach gestrickt, aber in meinem Leben habe ich immer Tausch vor Augen: in der Buchhandlung gebe ich Geld und bekomme ein Buch, im Supermarkt packe ich Lebensmittel in den Einkaufskorb und kann sie nach Geben von Geld mit nach Hause nehmen. Dieser simple Tausch ist klar zu verstehen und gibt keinen Anlaß für Fragen.

Kaufe ich aber nicht einen Gegenstand, sondern Arbeit ein, wird dieser Tauschakt zu einem hochkomplizierten Vorgang mit vielfältigen Einflußnahmen von außen. Warum eigentlich?

Das fängt damit an, daß das Bruttogehalt gar nicht der Betrag ist, für den die Arbeit eingekauft wird. Der Preis ist deutlich höher, weil zusätzliche Kosten obendrauf gezahlt werden müssen, die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung betreffen. Der Betrag für diese Versicherungen wird optisch halbiert in einen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil. Das ist natürlich nur Augenwischerei, denn selbstverständlich ist der gesamte Versicherungsbeitrag Bestandteil des Lohnpreises. Der Arbeitgeber spendet keine mildtätigen Gaben aus seinem Geldsäckel, sondern der gesamte Lohn ist vom Arbeitnehmer voll erwirtschaftet worden (sonst gäbe es die Arbeitsstelle nicht!).

Die Lohnabrechnung dient der Verschleierung der wahren Kosten

Aber warum wird das so gesetzlich vorgeschrieben? Es dient erstens der Verschleierung der tatsächlichen Kosten für die vorgeschriebenen Abgaben zur den Sozialkassen. Zweitens wird der Gesamtpreis für das Einkaufen der Arbeit („Arbeitgebergehalt“) nicht ausgewiesen, weil dann der Vergleich mit dem ausgezahlten (Netto-) Lohn noch deprimierender wäre. Beides sind gesetzlich vorgeschriebene bewußte Irreführungen, um den Arbeitnehmer blöd zu halten.

Wer ist zuständig für was?

Es stellen sich noch mehr Fragen: Warum ist der Einkäufer von Arbeit zuständig für die Versicherungen eines anderen? Ein Einkäufer von Gegenständen wird dazu nicht verpflichtet! Warum müssen Menschen bevormundet werden in Angelegenheiten, die in ihrem ureigenen Interesse liegen? Eine Versicherung für den Krankheits- und Pflegefall ist Aufgabe jedes einzelnen selbst. Jedes Individuum muß entscheiden können, wie und in welchem Umfang es sich versichern möchte. Gleiches gilt für die Sicherung des Lebens im Alter oder bei Berufsunfähigkeit. Das sind keine Aufgaben eines Arbeitgebers.

Trotzdem wird er bei empfindlichen Strafen bis hin zu Gefängnis verpflichtet, dieses für seine Angestellten zu regeln. Weil das der Fürsorge noch nicht genug ist, hält auch der Staat sein Händchen auf für die Steuerabgaben, die eigentlich jeder Bürger selbst zahlen sollte.

Direktes Kassieren macht unmündig

Warum ist das aber so geregelt? Weil die Regierung und die Sozialkassen das Geld an der Quelle abgreifen wollen! Dieses Verhalten ist ein Zeichen der maximalen Arroganz des Staates gegenüber seinen Erwerbstätigen, in dem er nur den unmündigen, unselbständigen Untertan sieht. Mit dem Bild vom aufrechten, selbstbewußten, eigenständigen Bürger hat das nichts zu tun.

Warum lassen die Menschen das so mit sich geschehen? Weil es bequem ist! Viele Menschen machen sich keine Gedanken über die eigene Selbstverantwortung, über die Zuständigkeit in eigenen Angelegenheiten, über eigene Entscheidungsmöglichkeiten, kurzum: über ihre eigene Freiheit. Stattdessen werden die Verantwortlichkeiten abgeben und man läßt andere entscheiden über ureigene Belange: weil es so angenehm ist, wenn man geführt wird und nicht selbst denken muß.

Keep it simple!

Zurück zur Überschrift: Tausche Arbeit gegen Geld. Es könnte so einfach sein: Der Arbeitgeber kauft Arbeit ein und gibt dem Arbeitnehmer die entsprechende Entlohnung. Eine eindeutiger Vorgang bei klar definierten Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten: Ich arbeite, du gibst Geld.

Der Arbeitnehmer sieht sofort, was er „wert“ ist. Und er kann selbst bestimmen, was mit seinem Geld geschieht: in welche Versicherung er es steckt, welche Altersvorsorge er betreibt. Auch der Staat muß mit offenem Visier seinen Obolus einfordern statt ihn hinterrücks an der Quelle zu konfiszieren. Auch hier sind wieder alle Zuständigkeiten und die Verantwortung klar definiert und verteilt. Ich bezahle, kaufe Leistung ein (bei Versicherungen und beim Staat). So sollte jeder Bürger aufrecht seiner Selbstverantwortung gerecht werden.

Bevor das Argument mit dem „moral hazard“-Problem („ich lasse es mal drauf ankommen: irgendwer wird mir schon helfen!“) in der Kranken- und Rentenversicherung kommt: man kann hier überwachte Mindeststandards setzten, wenn man den harten Weg der totalen Leistungsverweigerung nicht gehen möchte.

Für mich ist entscheidend:

  • Jeder Bürger soll mündig mit seinem Eigentum (dazu gehört auch seine Arbeitskraft und die Früchte daraus) umgehen können.
  • Diese Verantwortung (und die daraus resultierende Zuständigkeit) darf ihm nicht abgenommen werden.
  • Jeder sollte ausschließlich für seinen eigenen Bereich verantwortlich sein. Nur eine freiwillige Übertragung der Verantwortung ist möglich; jede andere Form   der  Übertragung ist als Zwang strikt abzulehnen.
  • Daher ist das Arbeitsentgelt voll an den Arbeitnehmer auszuzahlen und es obliegt seiner Verantwortung, damit (für ihn) richtig umzugehen.
  • Es muß auf den simplen Tausch „Arbeit gegen Geld“ hinauslaufen.

 

Bildquelle: Jorma Bork / pixelio.de


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5 Kommentare

  • Antworten Dezember 17, 2014

    4 nothing left to loose

    Es steht ihnen frei Arbeit einzukaufen. Jederzeit und frei verhandelt über Freiberufler, Selbstständige andere Firmen ausländische Freelancer Leiharbeiter usw usf. .

    Jede Form steht zur Verfügung. Darf es noch etwas billiger sein? Nehmen Sie Behindertenwerkstätten oder Gefängnisse.

    Warum macht das dann nicht jeder Unternehmer bzw. jede Firma.

    Vermutlich wissen Sie es und lassen es aus Gründen von denen die Ideologische Ausrichtung ihrer Beiträge nur einer ist einfach weg. Bauernfängerei wäre ein anderer.

    Falls nicht Frage ich mich wie Sie es wagen können ihre Ahnungslosigkeit auch noch zu publizieren.

    Peinlich ist dieser monokausale Dumpfsinn in jedem Fall.

    • Antworten Dezember 21, 2014

      Tilman Kappe

      || „Es steht ihnen frei Arbeit einzukaufen. Jederzeit und frei verhandelt über Freiberufler, Selbstständige andere Firmen ausländische Freelancer Leiharbeiter usw usf. .“||

      Einverstanden!

      || „Jede Form steht zur Verfügung. Darf es noch etwas billiger sein? Nehmen Sie Behindertenwerkstätten oder Gefängnisse. „||

      Dort findet man i.d.R. nicht genügend qualifizierte Arbeitnehmer oder sie sind örtlich nicht flexibel.

      || „Warum macht das dann nicht jeder Unternehmer bzw. jede Firma. „||

      Was macht dann nicht jede Firma? Wahrscheinlich würden Firmen eine unkomplizierte Abrechnung vorziehen, wenn dem nicht die Gesetze entgegenstünden.

      || „Vermutlich wissen Sie es und lassen es aus Gründen von denen die Ideologische Ausrichtung ihrer Beiträge nur einer ist einfach weg. Bauernfängerei wäre ein anderer.
      Falls nicht Frage ich mich wie Sie es wagen können ihre Ahnungslosigkeit auch noch zu publizieren.“||

      Wie oben angeführt, sieht die gesetzliche Lage anders aus. Anmerkung: Ihre Kommasetzung sowie Groß-/Kleinschreibung sind grauslich.

      || „Peinlich ist dieser monokausale Dumpfsinn in jedem Fall.“||

      Mono-was bitte? Ich denke, ich liefere mehr als einen Grund, über klare direkte Beziehungen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber nachzudenken und die Verantwortlichkeiten dort zu belassen, wo sie hingehören. Nicht mehr, aber auch nicht weniger ist mein Ziel.

  • Antworten August 3, 2014

    senfmeister

    Wenn ich derjenige bin der meine Arbeit gegen das geld von Jemandem tausche, dann bin ich doch der Arbeitgeber und der Unternehmer der Geldgeber.
    Diese Wortwahl ist ein weiteres Indiz dafür, dass der Staat uns Steuerzahler für Blöd verkauft: Der Arbeitgeber ist so großzügig uns arbeit zu geben? Schwachsinn. Er nimmt unsere Arbeitskraft (die wir wesentlich sinnvoller für unsere eigene Freiheit einsetzen könnten) und erwirtschaftet damit seinen Gewinn. Und dann wird er als Sozialpartner dargestellst, weil er einen Teil unserer Sozialabgaben zahlt. Das such dies Schwachsinn ist, steht ja bereits im Text.
    Warum Unternehmrr die schlimmsten Sozialschmaroter sind habe ich hier aufgeschrieben http://senftimes.de/wer-sind-diese-sozialschmarotzer/

  • Antworten Juli 21, 2014

    Friedrich Dominicus

    Sehr passender Eintrag. Fragen die man sich stellen könnte – könnte ….

  • Antworten Juli 20, 2014

    R. Danneskjöld

    Daher ist das Arbeitsentgelt voll an den Arbeitnehmer auszuzahlen und es obliegt seiner Verantwortung, damit (für ihn) richtig umzugehen.

    Das unterstütze ich zu 100%! Warum fordern das nicht die Gewerkschaften? Sind sie noch Vertreter der Arbeitnehmer? Oder bereits Teil der Sozialindustrie, finanziert aus üppigen Zwangsbeiträgen?

    Die Sozialindustrie muss kräftig gestutzt werden. Es kann nicht sein, dass viele allein davon leben, anderen Beiträge abzupressen. Das Angebot „Tausche Schutz gegen Geld“, das man nicht ablehnen kann, ist mafiös.

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