Im politischen Wanderzirkus der BRD

Diese Begegnung war meinerseits nicht mal wirklich geplant, sie geschah einfach nur und ehe ich mich versah, war ich auch schon mittendrin statt nur dabei.
Die Rede ist von einem zum Infomobil umgebauter LKW, der im Auftrag des Bundestags nun durch die Republik in die verschiedensten Städte fährt und dort über die Arbeit des Parlaments und der Politiker neutral „informieren“ soll. Sogar ein Internetanschluss ist für diejenigen eingerichtet worden, für die dieses Medium noch Neuland darstellen sollte.

Tja, in Venedig wird ein Traktor zum Panzer umgebaut, in Deutschland hilft man sich im Informationskrieg eben mit solchen Konstruktionen aus. Dazu noch ein gut geschultes, linientreues Personal mit den teuersten Markenanzügen und der Spaß kann auch schon losgehen.
So kam es dann auch, dass sich diese Truppe schließlich in Bayreuth wiederfand, um ahnungslose Touristen und einheimische Schulklassen über den Sinn von Politikern aufzuklären. Über den Sinn einer solchen Informationskampagne kann man sicherlich geteilter Meinung sein, allerdings ist das auch wieder irrelevant, da man sowieso nicht gefragt wird, für was seine Steuergelder ausgegeben werden sollen. Lediglich das Resultat darf begutachtet werden, was ich in dem Fall auch getan habe.

So führte ich dann ein zweistündiges Gespräch mit einem dieser dressierten Affen. Die Wortwahl mag etwas anmaßend klingen, trifft die Sache aber dann doch recht gut. Zwar bin ich nicht mehr in der Lage, den kompletten Wortlaut zu zitieren, einige Sachen sind mir wegen ihrer Absonderlichkeit doch zumindest so sehr in Erinnerung geblieben, dass sie mich zu diesem Artikel getrieben haben:

– Wer höhere Steuern zu zahlen hat, sollte sich glücklich schätzen, da er dann über mehr Geld verfüge.
– Deutschland sei eines der freiesten Länder der Welt. Sowohl wirtschaftlich als auch persönlich gesehen.
– Im Anschluss darauf: Subventionen wären wichtig, da sie die freie Marktwirtschaft sicherstellen. Kapitalismus, wie in den USA,    sei jedoch kontraproduktiv, da die Demokratie dadurch sinnentstellt werde.
– Überhaupt habe Deutschland eine „Vorzeigedemokratie“.
– Justizskandale wie der Fall Mollath aus Bayreuth sind absolute Einzelfälle und auch nicht weiter beunruhigend.
– Seien Sie froh in Deutschland zu leben und nicht in Afrika, Syrien, Nordkorea etc. Hier lebt es sich doch wunderbar.
– Wir verteidigen unsere Sicherheit am Hindukusch und Präventivkriege seien dazu ein legitimes Mittel, um schlimmere „Entgleisungen“ zu verhindern. Zivile Opfer ließen sich auch nicht immer vermeiden.
– Eine präventiver Aufstand gegen unsere Regierung um schlimmere „Entgleisungen“ zu verhindern, sei jedoch nicht legitim.
– Auch Stalin und Mao wollten die Toten nicht.
– Die EU und der Euro sichern den Frieden in Europa.

Ja, ja. Und auf solche Aussagen braucht man gescheite Argumente. Warum schreibe ich das? Das ist besonders mal an die ganzen Leute, die sich ständig auf Facebook oder sonst wo tummeln, gerichtet. Da lässt es sich bequem über die unfaire Welt schreiben und wie doof doch alle sind. Für Diskussionen kramt man sich dann in ein paar Stunden was Nettes aus Baader, Hayek oder Mises
raus und wirft das dann anderen Leuten vor die Füße.
Funktioniert in der realen Welt da draußen nur nicht, wo eine gute Antwort sofort geliefert und weitergedacht werden muss. Das kann man auch nicht sofort, sondern kommt mit der Zeit. Daher sollte es jeder zumindest einmal als intellektuelle Herausforderung ansehen, mit seinen Mitmenschen regelmäßig im wirklichen Leben zu diskutieren, um Erfahrungen zu sammeln. Lässt man dabei die Emotionen mal außen vor, bringt das meist sogar beide weiter. Man selbst kann an seinem Diskussionsstil arbeiten und den anderen bringt man im direkten Gespräch mit libertären Ansichten zumindest meist ins Grübeln.

Manchmal ergeben sich auch sehr skurrile Situationen:

Auch dieses Infomobil des Bundestages braucht offenbar eine Genehmigung der jeweiligen Stadt, um auf einem öffentlichen Platz stehen zu dürfen. Als ein Beamter des Ordnungsamtes eben jene sehen wollte, ergab sich folgender Dialog in unserem Gespräch, welchen ich wohl noch eine Zeit lang mit mir herum tragen werde. Als Video auf Youtube wäre es deutlich unterhaltsamer, leider
muss diese Niederschrift genügen:

Mitarbeiter (M): Sehen Sie das? Ja das ist doch wunderbar.
Sebastian (S): Was soll ich denn sehen?
M: Der Mann vom Ordnungsamt möchte unsere Genehmigung für diesen Platz sehen. Selbst wir als
Bundestag dürfen uns nicht einfach irgendwo hinstellen. Wenn wir keine hätten, müssten wir hier
alles abbauen und Feierabend machen. Wobei ich damit jetzt auch kein Problem hätte…
S: Zumindest in dem Punkt wären wir uns einig.
M: Sie sehen also, dass das System funktioniert. //Der Mitarbeiter freut sich wie ein Fünfjähriger.
S: Ich sehe nur einen Beamten, der das tut, wofür er bezahlt wird und wahrscheinlich selbst kaum
einen Lebensinhalt darin sieht.
M: Ich finde, wir sollten ihm ein Dankeschön auf den Weg geben. //Der Mitarbeiter kommt mit
einem Berliner auf den Beamten zu.
M: Also Sie machen da wirklich eine hervorragende Arbeit und dafür haben Sie sich das
verdient. //Der Mitarbeiter gibt dem Beamten (B) den Berliner, derweil er ihn vorher noch umarmt.
B: Ähm, ja? Danke.
S: Der kostet Sie aber 4,80 €.
B: Was?
M: Aber nicht doch. Alles, was wir verteilen, ist alles kostenlos. Sie müssen doch nichts bezahlen.
S: Das wurde doch von unseren Steuergeldern bezahlt. Mit Verwaltungskosten wird das eben ein teurer Berliner für Sie. Oder Sie gehen zum nächsten Bäcker und nehmen sich dort etwas ohne Mehrwertsteuer.
M: Was reden Sie denn da? Mehrwertsteuer muss überall draufgeschlagen werden.
S: Dann hätte ich davon aber wieder meinen Anteil zurück.
B: Also das ist mir jetzt zu viel mit dem Zirkus. Ich muss noch weiter. Also habt Spaß.

Liest sich jetzt nicht gerade spannend, war aber dennoch irgendwie unterhaltsam. Genießt eure kleine heile Welt, solange ihr es noch könnt, kann ich denen nur sagen.

Bildquelle: Christoph Froning  / pixelio.de


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