Wider die Marktwirtschaft II: Pontifex Maximus

Im Evangelii Gaudium, welches Papst Franziskus kürzlich am ersten Advent verlauten ließ, prangert dieser in ungewöhnlich deutlicher Form die sozialen Missstände auf der Welt an – und macht den freien Markt dafür verantwortlich. Er behauptet wörtlich, dass diese Wirtschaft töte, Menschen als „Konsumobjekt“ gesehen oder auf „Abfall“ reduziert werden und dabei Mitgefühl und Menschlichkeit verloren gingen.

Da stellt sich mir einmal mehr die Frage, wem denn die helfende Hand seiner Heiligkeit während der argentinischen Militärdiktatur zu Diensten stand. Wie viele Menschen hat er dem Staat ans Messer geliefert oder auch nicht? Der Vatikan streitet alles als Verleumdungskampagne ab, Kritiker sprechen von geduldeter Kindesentführung und prangern sein Desinteresse für politisch Verfolgte an. Bekanntlich liegt die Wahrheit meist irgendwo dazwischen, jedoch ist offenkundig, dass Bergoglio in seiner Vergangenheit mit einem totalitären Staat konfrontiert wurde.

Aber auch das heutige Argentinien ist selbst nach dem letzten großen Wirtschaftszusammenbruch 1998/99 nicht minder sozialistisch geprägt als davor. Aus den Fehlern der Vergangenheit hat man leider nicht gelernt. Das Land war zwar von den Finanzmärkten abgeschnitten, aber wieder riss der Staat sein Möglichstes an Kompetenzen an sich, verteilte soziale Wohltaten bis zum Exitus, trieb die Inflation auf über 20%, machte alle Kritiker mittels Sanktionen mundtot, plünderte die privaten Rentenvorsorgen und die Sozialisten konnten sich über staatliche Abhängigkeiten zumindest teilweise einen Wahlerfolg sichern. Da unsere Politiker offenkundig ähnliche Absichten verfolgen, bleibt der Aufschrei naturgemäß sehr überschaubar. Nun, am Ende werden sie alle gleich arm sein.

Vor nicht allzu vielen Jahrzehnten machte Ayn Rand bereits die Beobachtung: „Wenn Sie sehen, dass der Handel nicht unter Zustimmung, sondern unter Zwang abgewickelt wird – wenn Sie sehen, dass man, um zu produzieren, die Erlaubnis von Männern einholen muss, die nichts produzieren – wenn Sie sehen, dass das Geld zu jenen fließt, die nicht mit Waren, sondern mit Gefälligkeiten handeln – wenn Sie sehen, dass Männer durch Einflussnahme und Schiebung reicher werden als durch Arbeit und einen die Gesetze nicht vor diesen Männern schützen – wenn Sie sehen, dass Korruption belohnt und Ehrlichkeit zur Selbstaufopferung wird – können Sie sich sicher sein, dass Ihre Gesellschaft dem Untergang geweiht ist.“

Man fragt sich zu Recht, weshalb trotz der Fehlentwicklungen in seiner Heimat der Papst Worte wählt, die schon an den sowjetischen Klassenkampf erinnern. Zwar beteuert er, dass er kein Marxist sei, was in diesem Kontext jedoch nur bedingt überzeugt.

Er spricht von sozialer Ungleichheit, Gier und Korruption. Einen genauen Kontext lässt er jedoch aus. Falls er sein Heimatland meint, so sind die Gründe offensichtlich. In großen Teilen der Welt sieht es jedoch auch nicht besser aus. Bürgerkriege, gravierende Naturkatastrophen, staatliche Erziehungsanstalten, Weltbank, IWF. All dies richtet Völker und ihre Wirtschaft zu Grunde. Doch davon spricht der Papst nicht.

„Heute spielt sich alles nach den Kriterien der Konkurrenzfähigkeit und nach dem Gesetz des Stärkeren ab, wo der Mächtigere den Schwächeren zunichte macht.“

Das Prinzip der Konkurrenz ist für eine Gesellschaft so wichtig, wie die Familie für das Individuum. Fällt dieser Grundsatz, wird als Ersatzvehikel ein staatlich gesichertes Monopol unsere Wünsche und Hoffnungen mehr schlecht als recht befrieden. Nur der Staat kann jemanden wirklich „zunichte machen“.

In einer freien Wirtschaft hat ein Unternehmen nur die Mittel, die es sich von den Kunden jeden Tag aufs Neue hart erarbeiten muss. Überhaupt wäre schon dies ein revolutionärer Gedanke, wenn sich Banken, ihre Aktionäre und andere Teilnehmer am Finanzmarkt ihr Geld auf ehrliche Art und Weise verdienen müssten.

Ich verfüge über keine Kristallkugel, jedoch bin ich davon überzeugt, dass unter einem Geldsystem nach den Kriterien der Konkurrenzfähigkeit eine Baisse um zwei Punkte in der Börse dann keine Schlagzeilen mehr macht. Auch wenn einem solche Meldungen auch ebenso egal sein könnten.

„Nein zur neuen Vergötterung des Geldes!“

Unser Geldsystem basiert lediglich auf Vertrauen. Nicht einmal das goldene Kalb, welches angebetet werden soll, existiert überhaupt noch in physischer Form. Da der Papst aber offenbar nun so eine Abneigung gegen unser Geld entwickelt hat, mache er doch den Anfang. In Glaubensfragen ist er ja unfehlbar…

Der Vatikan verfügt ebenfalls über eine Zentralbank, die zwar verhältnismäßig mehr an Geldwäsche, als an Geldschöpfung beteiligt sein dürfte, jedoch wäre es kein Verlust für die Welt, wenn diese Bank geschlossen wird. Es wäre zumindest ein deutlicheres Zeichen, als der Verzicht auf die päpstliche Limousine.

Aber auch wenn alle Dinge klein beginnen, lasset die Englein Halleluja singen.

Bildquelle: tylertenbarge.blogspot.com


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